DER KAMPF UM HOLLYWOOD: TRUMP, FILMFÖRDERUNG UND EUROPAS BEQUEME ANTWORT

Ich glaube, das ist jetzt wirklich einmal einzigartig: Ich muss Donald Trump loben.

Ja. Den Donald Trump. Ich weiß. Ich bin auch kurz erschrocken.
Aber ich bin halt ein aufmerksamer Bub und laufe nicht mit Scheuklappen durch die Gegend. Und wenn jemand etwas Vernünftiges anstößt, dann kann ich das auch sagen, selbst wenn ich den Rest seines politischen Gemischtwarenladens nicht kaufen möchte.
Als Trump Anfang 2025 seine zweite Amtszeit antrat, ernannte er Jon Voight, Sylvester Stallone und Mel Gibson zu seinen „Special Ambassadors“ für Hollywood. Drei ältere Herren, bei deren Ernennung sich natürlich ein beträchtlicher Teil der Filmwelt sofort lustig gemacht hat.
Was sollen die drei alten weißen Männer jetzt retten? Hollywood?
Nun ja.

Jon Voight hat sich offenbar tatsächlich hingesetzt und mit Produzenten, Gewerkschaften, Studios und Branchenvertretern darüber gesprochen, warum immer mehr amerikanische Produktionen ins Ausland abwandern. Nach Kanada, Großbritannien und auch nach Europa, weil dort zum Teil sehr attraktive steuerliche Fördermodelle existieren.

Und jetzt wird es interessant.
Trump hat diese Woche den amerikanischen Kongress öffentlich aufgefordert, einen sogenannten "Federal Production Incentive" zu schaffen: einen bundesweiten steuerlichen Anreiz für Film- und Fernsehproduktionen, die in den USA hergestellt werden.
Das Ding ist noch kein Gesetz. Es gibt auch noch keine fertige Regelung. Diskutiert werden aber Modelle eines bundesweiten Tax Credits, der zusätzlich zu den Förderungen einzelner US-Bundesstaaten wirken könnte.
Und plötzlich stehen hinter der Sache nicht nur Jon Voight und ein paar Freunde von Donald Trump, sondern große Teile der amerikanischen Filmindustrie, Gewerkschaften und Branchenverbände.
Das finde ich bemerkenswert.

Vor allem deshalb, weil Trump ursprünglich noch mit der ziemlich wilden Idee herumgespielt hat, im Ausland produzierte Filme mit 100 Prozent Zoll zu belegen. Jetzt scheint daraus die wesentlich intelligentere Variante zu werden: Nicht bestrafen, wenn jemand woanders dreht, sondern einen wirtschaftlichen Grund schaffen, wieder zu Hause zu drehen.
Also im Grunde genau das, was viele europäische Länder seit Jahren machen.
Natürlich kann man jetzt sofort sagen: Na super, dann verlieren Österreich, Ungarn, Tschechien, Großbritannien und andere Produktionsstandorte amerikanische Drehs.

Vielleicht. Zum Teil wahrscheinlich sogar.

Aber so einfach funktioniert dieser Markt auch wieder nicht. Dann müssen europäische Standorte eben überlegen, womit sie attraktiv bleiben: Kosten, Studios, Crews, Locations, Förderungen, Infrastruktur.
Und bevor bei uns jetzt sofort der nächste Reflex einsetzt: Dann müssen Netflix, Amazon, Disney und die anderen Streamingdienste eben noch mehr zahlen. Neue Abgabe, höhere Abgabe, irgendeine Verpflichtung – irgendwer wird schon zahlen.
Freunde, das kann aber auch nicht immer die Antwort sein.
Wenn sich der internationale Markt verändert, müssen wir uns vielleicht auch einmal fragen, warum Produzenten hier drehen sollen – und vor allem, warum das Publikum unsere Filme und Serien sehen soll.
Ich glaube nämlich, dass wir gerade im DACH-Raum durchaus zu viele Produktionen herstellen, die zwar produziert und gefördert werden, die aber im Kino kaum noch jemand sehen möchte.

Das ist jetzt vielleicht unangenehm, aber es ist halt so.
Und dann muss man irgendwann auch über Inhalte reden.
Ich habe bei meinen eigenen Ideen oft genug gehört: „Leo, die Idee muss aber wirklich gut sein.“
Vollkommen richtig!
Nur gilt das dann bitte für alle.

Wenn ich möchte, dass jemand anderer Geld in meine Produktion steckt – egal ob ein Sender, ein Produzent, ein Streamingdienst oder am Ende der Steuerzahler –, dann darf man auch von mir verlangen, dass ich eine verdammt gute Idee habe. Eine, die Menschen sehen wollen.

Filmförderung ist wichtig. Produktionsanreize sind wichtig. Aber sie ersetzen weder eine gute Geschichte noch ein Publikum.
Und wenn andere Länder plötzlich bessere Bedingungen anbieten, kann unsere Antwort nicht ausschließlich lauten: Dann machen wir die anderen teurer.

Vielleicht müssen wir selbst wieder attraktiver werden. Wirtschaftlich, produktionstechnisch – und, ja, auch mit unseren Geschichten.
Deshalb muss ich Trump an dieser Stelle tatsächlich einmal loben. Das macht aus ihm für mich keinen besseren Menschen und ändert auch nichts daran, was ich von hundert anderen Dingen halte. Aber eine vernünftige Idee wird nicht automatisch deppert, nur weil Donald Trump sie unterstützt.

Und vielleicht sollte man auch Jon Voight, Stallone und Gibson nicht ganz so schnell auslachen.
Ob daraus tatsächlich ein Gesetz wird und wie es am Ende aussieht, werden wir erst sehen. Aber sie haben etwas ins Rollen gebracht.
Die Filmwelt ist gerade dermaßen in Bewegung, es ist ein Wahnsinn. Gefühlt gibt es jeden Tag eine neue Nachricht.
Ich kann meine Klappe gar nicht mehr halten.

Was für jemanden wie mich natürlich eine ausgesprochen gefährliche Marktentwicklung ist.