Natürlich ist es für mich als ironischen Menschen einfach, mich über irgendetwas lustig zu machen. Die Taktik gegen rechte Parteien wie die FPÖ in meinen Augen funktioniert nicht mehr so richtig, wenn sie hauptsächlich darin besteht, sich über Personen der FPÖ oder über deren Wähler lustig zu machen.
Natürlich kommt dann sofort die Frage: Was soll man denn sonst machen? Man hat ja auch versucht, sie ernst zu nehmen.
In meinem persönlichen, nicht beruflichen Weltbild nehme ich die Rechten sogar extrem ernst. Aber nicht auf die Art, wie sie sich das vielleicht wünschen würden. Ernst nehmen heißt für mich nicht, ihnen recht zu geben. Und ich bekomme auch keine Panikattacke, keinen Wutanfall und keinen Schreibtobsuchtsanfall, wenn ich etwas von ihnen lese, das ich für unglaublich, unmenschlich oder einfach unnötig halte.
Ich glaube nur, dass man solche Parteien und Strömungen nicht wie eine Stubenfliege mit der Fliegenklatsche beseitigen kann.
Das funktioniert nicht.
Man verscheucht vielleicht eine Gelse, aber am nächsten Tag sind Hunderte beim Begräbnis.
Nein, ich glaube, man muss immer wieder mit Fakten arbeiten. Hartnäckig. Manchmal wahrscheinlich bis zur Penetranz.
Was mir in den vergangenen Jahren aufgefallen ist: Viele politische Parteien, die tatsächlich an der Macht waren, haben gleichzeitig signalisiert: Na ja, vielleicht kuscheln wir doch ein bisschen mit ihnen, weil ihre Wählerstimmen irgendwann noch nützlich sein könnten.
Und genau da beginnt für mich das eigentliche Problem.
Denn damit nimmt man nicht nur ihre Wähler ernst, sondern irgendwann auch ganz selbstverständlich die Möglichkeit, dass diese Parteien das Land regieren.
Und natürlich hat jede politische Strömung in einer Demokratie grundsätzlich das Recht, bei Wahlen anzutreten und Mehrheiten zu bekommen. Das klingt vielleicht brutal, aber Demokratie gilt nicht nur dann, wenn mir das Wahlergebnis gefällt.
Was mir fehlt, ist etwas anderes: Dass viel konkreter darüber gesprochen wird, was bestimmte politische Entscheidungen tatsächlich bedeuten würden. Nicht nur: „Das wäre ganz schrecklich.“ Sondern: Was würde sich verändern? Was würde verloren gehen? Wer wäre davon betroffen? Was würde es kosten? Welche Konsequenzen hätte es im täglichen Leben?
Fakten statt Weltuntergang.
Und diese Fakten muss man vielleicht auch mit einer gewissen Hartnäckigkeit transportieren. Ohne Herablassung, aber durchaus penetrant.
Ich habe das selbst einmal auf meinem Kanal erlebt. Ich hatte, glaube ich, über eine Million Kontakte mit einem lustigen Bild über Herbert Kickl, auf dem Putin mit nacktem Oberkörper auf einem Pferd saß. Danach habe ich mich auf einige Gespräche mit Verfechtern seiner Politik eingelassen.
Gefühlt haben mich 90 Prozent irgendwann blockiert oder keine Antwort mehr gegeben.
Aber mit vielleicht zehn Prozent konnte ich tatsächlich debattieren.
Natürlich ist das mühsam. Wenn man hundert Menschen erreichen will und mit zehn davon wirklich ins Gespräch kommt, ist das kein besonders effizienter Arbeitstag.
Aber vielleicht ist genau das der harte Weg, den Politik und auch wir selbst trotzdem immer wieder versuchen müssen.
Denn ich glaube nicht, dass das ständige zynische oder ironische Posten gegen die FPÖ noch besonders viel verändert. Im Gegenteil: Innerhalb der eigenen Blase bekommt man dafür Zustimmung und Schulterklopfen. Die anderen erreicht man damit kaum noch.
Vielleicht ist genau das der Punkt, von dem wir wieder wegmüssen.
Nicht von der Ironie. Um Gottes willen, dann müsste ich meinen Beruf wechseln.
Aber von der Vorstellung, dass Ironie alleine schon eine politische Strategie wäre.